Knoll/Lotfi gewinnen sensationell EM-Gold

Anton Knoll und Dariush Lotfi haben am Freitag bei der Schwimm-EM in Belgrad sensationell die Goldmedaille im Synchron-Bewerb vom Turm gewonnen. Das OSV-Duo setzte sich mit 367,05 Punkten vor den Italienern Francesco Casalini und Julian Verzotto (356,88) durch. Bronze ging an Ben Cutmore und Euan McCabe aus Großbritannien (350,70).

Für Österreich ist es die fünfte EM-Goldmedaille im Wasserspringen, die erste in einem Synchron-Bewerb. Im Einzel-Bewerb aus zehn Meter Höhe tritt Knoll auch am Sonntag an, der Wiener rechnet sich Medaillenchancen aus. Zuletzt hatte Constantin Blaha bei einer Europameisterschaft eine Medaille geholt, der Wiener gewann 2016 in London vom 1-m-Brett Bronze.

Die zuvor letzte Goldmedaille im Wasserspringen hatte Kurt Mrkwicka 1962 in Leipzig vom 3-m-Brett geholt. Alle drei anderen EM-Titel für Österreich gab es in der Zwischenkriegszeit: Klara Bornett (1927 in Bologna vom 3-m-Brett), Madi Epply und Josef Staudinger (jeweils 1931 in Paris vom 10-m-Turm).

Knoll und Lotfi waren von dem riesigen Erfolg überwältigt: „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagte Lotfi. Zur Halbzeit des im Freien ausgetragenen Bewerbes lag das OSV-Duo wie nach dem ersten Sprung auf Rang fünf. Mit Sprung Nummer vier gelang der Vorstoß auf Platz drei. „Da hat sich abgezeichnet, dass es mit einer Medaille etwas werden kann“, meinte OSV-Trainer Aristide Brun.

„Wahnsinn und unfassbar“

Danach übernahmen Knoll/Lotfi erstmals die Führung und zeigten im letzten Durchgang Nervenstärke. „Wir haben das tatsächlich gehalten bis nach der letzten Runde. Und jetzt sind wir Europameister. Wahnsinn und unfassbar.“ Knoll hatte sogar Tränen in den Augen: „Ich muss eigentlich nicht viel sagen. Meine Tränen zeigen eigentlich, wie wir uns fühlen. Es ist unglaublich“, meinte der Wiener.

„Grundsätzlich war es eine Ausnahmesituation, dass sie EM-Gold holen können. Der letzte war dann ein guter, sicherer Sprung, sie haben es gut gemacht, die Nerven haben gehalten, sie sind fokussiert geblieben und haben es durchgezogen“, resümierte Brun. „Das ist eine sehr erfreuliche Überraschung, damit habe ich nicht gerechnet.“ Den Österreichern konnte auch die große Hitze bei mehr als 35 Grad Celsius keinen Strich durch die Rechnung machen. „Es war schon grenzwertig“, schilderte Brun seine Sicht zu den Verhältnissen.

Ukrainer verpatzen fünften Sprung

Für ihn waren die Ukrainer Kirill Boliukh/Mark Hrytsenko die Favoriten. Die waren auch bis nach dem vierten Sprung in Front, verpatzten aber den fünften und mussten sich deshalb mit Rang fünf begnügen. Knoll/Lotfi jubelten hingegen über ihren größten Karriereerfolg. 367,05 Punkte bedeuteten auch eine persönliche Bestmarke. „Super, es war ihr bester Synchron-Wettkampf bis dato, klarerweise“, sagte Brun. Auch für ihn als Trainer war es das bisherige Highlight seiner Laufbahn.

Beide haben noch weitere Bewerbe in Belgrad, und Gold ist die beste Motivation: „Es ist für mich sehr wichtig gewesen“, sagte der Grazer Lotfi, der hier noch am Sonntag im 3-m-Synchron mit Nico Schaller und auch im Einzel vom Turm startet. Knoll will am Sonntag im Einzel vom Turm noch einmal nachlegen: „Ich habe schon im Synchron gesagt, eine Medaille ist das Ziel, und ich sage es auch im Einzel wieder.“

red, ORF.at/Agenturen

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Kunst- oder Turmspringen ist eine faszinierende Sportart, bei der Sportler aus unterschiedlicher Höhe unter Einsatz verschiedener Techniken ins Wasser springen. Vollendete Körperbeherrschung wird von den Athleten mit technischem Können, Mut und Geschick kombiniert. Seit 1904 ist Wasserspringen mit unterschiedlichen Teildisziplinen im olympischen Bewerb vertreten. Heute unterscheidet man in Kunstspringen vom 1- oder 3-Meter-Brett, Turmspringen – aus 5, 7,5 oder 10 Meter Höhe – und Synchronspringen vom 3-Meter-Brett und 10-Meter-Turm.

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